Das Märchen vom multikulturellen Schmelztiegel

von Christian Rieger am Oktober 26, 2008

“Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.”

Helmut Schmidt in “Die Zeit”, Nr. 18/2004, 22. April 2004

Dieser Aussage des Altbundeskanzlers würde ich zwar nicht zu 100% zustimmen doch wo die einen gänzlich “ein Wunder” zu sehen glauben, halten sich andere Stimmen eher zurück.
Eine Moschee als Kern der interkulturellen Kommunikation, als Fundament für eine umfassende und flächendeckende Integration? In meinen Augen ein netter Wunschtraum. Das Beispiel der Duisburger Merkez-Moschee zeigt zwar, dass es auch ohne Proteste möglich ist ein muslimisches Gotteshaus zu errichten, doch Integriert ist dadurch noch keine Volksgruppe so richtig.

Machen wir uns nichts vor; Vorurteile den “anderen” gegenüber gibt es nahezu überall. Gerade in sozialen Brennpunkten ist doch offensichtlich starker Handlungsbedarf. Jugendliche mit Migrationshintergrund und gleichzeitiger schlechter Bildung werden sich nicht von multikulturellen Jugendhäusern zur Integration bewegen lassen. Es gibt natürlich sehr viele positive Beispiele von Integration doch sind das noch viel zu oft “Einzelfälle”. Gerade bei Deutschen und Türken treffen einfach 2 völlig verschiedene Kulturen aufeinander, vielleicht vergleichbar mit Amerikanern und Chinesen. Dort schaffen sich die Chinesen ihre eigenen kulturellen Räume (populärstes Beispiel: San Francisco).

Muss sich die Politik in solche Fragen einmischen? Muss Integration staatlich gefördert werden? Müssen wir selbst bei einem neuen Tatort-Komissar von Integration reden und können es nicht einfach als Tatsache akzeptieren? Wäre der neue Tatort-Komissar gebürtiger Brite, Schwede oder Franzose, dann würde doch niemand von einer “Vorreiterolle in Sachen Integration” sprechen.

Integration findet dort statt wo Personen unterschiedlicher Kulturen dazu bereit sind sich anzunähern und nicht dort wo eine Gemeinde, eine Stadt oder ein Bundesland “Handlungsbedarf” sieht. Um so eine Einstellung gegenüber anderer Kulturen zu entwickeln ist, in meinen Augen, das wichtigste eine aufgeklärte und liberale Haltung zwingend erforderlich. Diese Haltung kommt aber nicht einfach so.

Es gibt deutsche Familien die nichts mit der türkischen Nachbarschaft zu tun haben wollen, genauso gibt es türkische Familien die mit den Deutschen von nebenan nichts zu tun haben wollen. Dafür mag jeder seine Gründe haben die in den meisten Fällen auch auf Vorurteilen beruhen doch man kann niemanden zu Integration zwingen. Es muss in der Schule bzw. im Kindergarten damit begonnen werden die Kinder zusammenzubringen, nicht aber unter dem Stichpunkt “Integration” sondern als ganz natürlichen zwischenmenschliche Dialog. Denn dort wo wir Menschen integrieren wollen unterteilen wir in 2 Klassen.

Und wenn die “Zeitung des kleinen Mannes” mit Überschriften wie: “Moslems dürfen Tiere schächten!”, “So knicken wir schon vor dem Islam ein” das Volk gegen den Islam hetzt aber an anderer Stelle fragt: “Wer ist Schuld am schlechten Ruf der Moslems? – Das Islambild in Deutschland”, muss man sich doch auch nicht wundern, dass die geforderte Integration gerade in der sog. “Unter-” bzw. unteren “Mittelschicht” noch ganz weit weg ist.

Artikel wie diese klingen durch Passagen wie: “Dreieinhalb Jahre mussten gläubige Moslems auf ihr neues Gotteshaus warten!” ganz nett, der letzte Satz aber: “Das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union sind mit rund 3,2 Millionen Euro an dem 7,5 Millionen Euro teuren Bau beteiligt.”, führen doch ganz automatisch zu Stammtischparolen wie: “Jaja die kriegen 3,2 Millionen und ich kriege nichts!”

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